Multitasking schadet deiner Konzentration

Hast du bisher nach dem Motto gehandelt, “ich will nichts verpassen und mehr schaffen, deshalb betreibe ich Multitasking”, bist du einer Illusion erlegen. Es hört sich gut und reizvoll an, weil es dem Anschein nach Zeit spart. Wir beleuchten in diesem Artikel das Phänomen Multitasking.

Multitasking ist eine Wortschöpfung aus der Computerwelt. Mit diesem Wort wird die Fähigkeit eines Betriebssystems beschrieben, mehrere Aufgaben (task) parallel auszuführen.

Seit einiger Zeit wird dieses Wort nun für uns Menschen benutzt, es wird dann von guten oder eher schlechten Multitasking- Fähigkeiten gesprochen. Es wurde lange Zeit davon ausgegangen, dass derjenige, der nicht multitaskingfähig ist, keinen Erfolg haben wird.

Ein Irrtum, denn heute wissen wir durch zahlreiche Studien, dass wir schneller ans Ziel kommen, wenn wir eine Aufgabe nach der anderen mit hoher Konzentration und scharfem Fokus abarbeiten.

Zwei Arten von Multitasking- Aufgaben

Laut Dr. Jan Höpker, der das Buch “Erfolg durch Fokus und Konzentration” geschrieben hat, gibt es zwei Arten von Tätigkeiten, die in diesem Zusammenhang zu betrachten sind:

  • Mechanische Aufgaben, wie zum Beispiel das Laufen, Gehen oder auch Radfahren. Nach einiger Zeit können wir diese Tätigkeiten ausführen, ohne dass das Bewusstsein daran beteiligt ist. Du musst zum Glück nicht darüber nachdenken, wie das Gehen funktioniert, denn dann wäre unser Gehirn völlig überfordert.
  • Die zweite Art von Tätigkeiten ist diejenige, die einen bewussten und mit Konzentration ausgeführten Denkprozess verlangt. So erklärt zum Beispiel H. Beck (Neurobiologe und Autor) das Wort Task in der Neurowissenschaft als Aufgabe, die immer einen Aufmerksamkeitsprozess erfordert. Dabei muss aktiv und mit Konzentration über jeden Step nachgedacht werden.

Im letztgenannten Fall müssen nun bestimmte Teile des Großhirns eingeschaltet werden. Die anspruchsvollen Aufgaben gleichzeitig auszuführen ist uns nicht möglich, so Beck, “Multitasking ist schon anatomisch für das Gehirn ein Ding der Unmöglichkeit.”

Früher haben die Menschen unter Multitasking verstanden, dass man einen Brief schreibt oder eine Zeitung liest, während gleichzeitig das Essen auf dem Herd stand. Diese Aufgabenkopplung war ok, denn es handelt sich um eine mechanische Aufgabe und eine, die die volle Konzentration benötigt.

Heutzutage verstehen wir aber unter Multitasking das Bearbeiten zweier Aufgaben parallel, die unsere Konzentration fordern. Das funktioniert nicht.

Der Grundgedanke oder die Idee, effizienter und schneller sowie leistungsfähiger sein zu können, wenn wir Multitasking betreiben, geht nach hinten los. Zeit sparen wir definitiv nicht, denn wir üben keine dieser Tätigkeiten mit voller Konzentration aus.

Kleiner Test für dich:

Du benötigst einen Stift, Zettel und eine Stoppuhr.

Für die erste Aufgabe schreibst du das Wort Multitasking Buchstabe für Buchstabe auf den Zettel, jedoch unter jeden Buchstaben fortlaufend die nächste Zahl und stoppst deine Zeit.

M           u             l               t              i               t……..

1             2             3              4             5             6….

Fertig. Ok, merke sie dir.

Die zweite Aufgabe verläuft ähnlich, nur jetzt schreibst du das Wort durchgehend, dann darunter jeweils wieder fortlaufend die nächste Zahl, bitte Zeit stoppen nicht vergessen.

Wenn dein Gehirn nicht wie ein super Computer funktioniert, wird die erste Aufgabe länger gedauert haben, sie war anstrengender für deine Konzentration und es haben sich ggf. sogar ein paar Fehler eingeschlichen. Stimmt’s?

Und genau dieser Vorgang passiert im richtigen Leben und auf der Arbeitsstelle ständig. Jede dieser Störungen reißt uns aus der Konzentration und zwingt unser Gehirn dazu, sich permanent wieder auf die unterbrochene Aufgabe einzuschießen.

Wie oben erwähnt, sparen wir keine Zeit und die Effizienz leidet.

Forscher der Universität in Utah haben in Versuchen nachweisen können, dass die Leistungsfähigkeit beim Fahren eines Autos und dem gleichzeitigen Schreiben einer SMS um 40% sinkt. Das entspricht einem Alkoholspiegel von 0,8 Promille. Zusätzlich stieg der Stresspegel erheblich an. Aber keine Sorge, diese Untersuchung lief nicht im Straßenverkehr, sondern am Fahrsimulator. https://archive.unews.utah.edu/news_releases/frequent-mulitaskers-are-bad-at-it/

Multitasking funktioniert nicht. Es gibt kein Multitasking.

Wer also zum Beispiel eine Zeitung liest und währenddessen telefoniert, tut nicht wirklich beides gleichzeitig. Es ist ein schnelles Wechseln zwischen beiden Tätigkeiten. Und jedes Mal musst du wieder deine Konzentration einfangen.

Als letzten negativen Aspekt bleibt zu erwähnen, dass eine dauerhafte hohe Konzentration nur funktioniert, wenn der Konzentrationsmuskel trainiert wird, dadurch, dass du ihn benutzt.

Wer aber nun regelmäßig Multitasking betreibt und zwischen Aufgaben hin und her springt, tut seiner Konzentration nichts Gutes. Du konzentrierst dich weniger, wodurch auch dein Konzentrationsmuskel weniger trainiert wird. Deine Konzentrationsfähigkeit wird schwächer und leidet.

Zwei Tipps

Tipp: Ab heute legst du deinen Fokus und deine Konzentration wieder auf die eine Sache, die dich weiterbringt. Du erledigst wieder alle Aufgaben hintereinander. Du lässt dich von niemandem und auch von nichts aus deiner Konzentration holen.

Tipp: Wenn du tatsächlich Probleme hast, deinen Fokus zu halten, dann stelle dir diese mächtige Fokusfrage: “Welche eine Aktion würde alles, was in Zukunft zu tun ist, einfacher machen?” (aus dem Buch: The One Thing von G. Keller)

Fazit:

  • Multitasking ist eine Illusion.
  • Dein Gehirn wechselt rasant zwischen den Tätigkeiten hin und her.
  • Du benötigst länger für die Aufgaben und machst mehr Fehler
  • Multitasking erhöht deinen Stresslevel.
  • Multitasking schwächt deine Konzentrationsfähigkeit und deinen Fokus.

 

 

 

Quellen:

G. Keller: “The One Thing.”

https://archive.unews.utah.edu/news_releases/frequent-mulitaskers-are-bad-at-it/

Written by StefTom