Gewohnheiten beeinflussen deine Konzentration

Wie heißt es so schön im Volksmund: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das bedeutet, dass wir einen großen Teil unseres Verhaltens immer wiederholen, wir werden gesteuert durch Routinen und Gewohnheiten/ Habits. Sie “garantieren, dass die Welt um uns herum und das Ich gleich bleibt”, (Nicolas Hoffmann, Berliner Verhaltenstherapeut). Der morgendliche Griff zum Smartphone oder zur Kaffeemaschine oder sogar zur ersten Zigarette, es sind die Routinen, die gleichzeitig Fluch und Segen sind. Sie können deinen Fokus verwässern oder auch schärfen.

In diesem Artikel erfährst du:

  1. Was sind Gewohnheiten?
  2. Eigenschaften der Routinen.
  3. Die Macht der Gewohnheiten.
  4. Vorteile der unbewussten Routinen.
  5. Nachteil der unbewussten Gewohnheiten.

1.Was sind Gewohnheiten?

Gewohnheiten oder Routinen sind regelmäßige Verhaltensweisen, die von einer bestimmten Situation spontan ausgelöst werden und dann vom Bewusstsein (unter deinem Bewusstsein) weitgehend unkontrolliert gleichförmig ablaufen.

Kennst du noch die alten Schallplatten? Wenn sich dort ein Kratzer auf der Oberfläche befand, spielte der Plattenspieler eine Endlosschleife, es wurde immer die gleiche Spur gespielt. So ähnlich verhält es sich mit den Gewohnheiten.

“Zwischen 30 und 50 Prozent unseres täglichen Handelns werden durch Gewohnheiten bestimmt, Informationen ändern daran so gut wie nichts”, sagt Bas Verplanken, Professor für Sozialpsychologie an der Universität von Bath, der Gewohnheiten seit 20 Jahren erforscht.

2. Eigenschaften der Routinen

Unsere Gewohnheiten sind charakterisiert durch bestimmte Eigenschaften, von denen ich dir hier einige aufzeigen möchte.

  • Die Gewohnheitsentscheidung findet rasend schnell mit nur sehr geringer Konzentration statt.
  • Da sie nur sehr wenig Konzentration erfordern, können sie zeitgleich mit anderen Tätigkeiten ablaufen.
  • Ein der Person bekannter Zusammenhang löst die Habits automatisch aus, das können alle Sinnesreize sein, aber auch Emotionen und Erinnerungen.
  • Sie laufen mit weinig gedanklichem Aufwand ab, schützen somit das Gehirn vor Überlastung (siehe 3. Vorteile der unbewussten Gewohnheiten), dadurch haben wir aber auch äußerst wenig willentliche Kontrolle über sie.

Im Gegensatz hierzu stehen die kontrollierten Prozesse, die eine hohe Konzentration erfordern und den Denkapparat schnell ermüden. Deshalb ist es so wichtig, gute Routinen mit hohem scharfem Fokus zu haben, um dann mehr Konzentration für andere Prozesse frei zu haben.

3.Die Macht der Gewohnheiten

Und nun kommt es: Die Neuroforschung, u.a. Dr. Daniel Amen (Das glückliche Gehirn, München 2010) oder auch der renommierte Professor G. Zaltmann sagen, dass zwischen 80 und 95% unserer täglichen Entscheidungen gar nicht unser Bewusstsein erreichen. Das meiste läuft also auf Autopilot an deinem Bewusstsein vorbei.

Letztlich ist die exakte Zahl auch irrelevant, aber der australische Gehirnforscher A. Snyder hat es schön auf den Punkt gebracht: “Dein Bewusstsein ist nur eine PR Aktion deines Gehirns, damit du denkst, du hättest auch noch was zu sagen.” Anders formuliert, das meiste, von dem was du denkst, bekommst du bewusst gar nicht mit.

Darstellen lässt sich die Macht des Unterbewusstseins sehr schön im Eisberg- Modell. Nur ein kleiner Teil des Bewusstseins ist an der Oberfläche, der viel größere Teil, dein Unterbewusstsein, ist gar nicht sichtbar.

Gewohnheiten im Unterbewusstsein

Gewohnheiten im Unterbewusstsein

“Das Bewusstsein denkt, das Unterbewusstsein lenkt” (Steffen Kirchner). Du bekommst also zum größten Teil gar nicht mit, wohin deine Konzentration und dein Fokus driften.

4. Vorteile der unbewussten Routinen

Gewohnheiten, die unter deinem Bewusstsein ablaufen, haben einen riesigen Vorteil. Sie sparen jede Menge Zeit und Energie.

Unser Organismus ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen. In Relation zum Gesamtkörpergewicht macht unser Gehirn nur ca. 2% aus des Körpergewichts aus, verbraucht aber bei starker Anstrengung ca. 20% des Gesamtenergieumsatzes. Aus diesem Grund schaltet das Gehirn gerne auf Stand-by.

Wenn du jeden Morgen nach dem Wachwerden darüber nachdenken müsstest, wie das Aufstehen funktioniert, wo das Badezimmer ist, wie die Dusche angeht, wie Zähneputzen funktioniert, du wärst mittags noch damit beschäftigt und wahrscheinlich noch nicht angezogen.

Die eingesparte Energie kann dein Gehirn für Tätigkeiten benutzen, die erhöhte Konzentration, und Aufmerksamkeit erfordern.

Unser Denkapparat strebt danach, Verhaltensweisen zu ritualisieren. Das sorgt für Sicherheit und Stabilität. Wer Erfolg will, benötigt gute Gewohnheiten: beim Sport, bei der gesunden Ernährung, beim Lernen. Wer nur sporadisch gut lernt, sporadisch Sport treibt, wird keinen Erfolg haben. Routinen können uns zu einem scharfen Fokus und einer ausgezeichneten Konzentration führen.

 5.Nachteile der unbewussten Gewohnheiten

Doch diese unbewusst ablaufenden Gewohnheiten haben nicht nur Vorteile, sondern auch gravierende Nachteile.

Die Wissenschaftlerin A. Graybiel vom Institute of Technology in Massachusetts hat es treffend formuliert: Das Problem sei, dass unser Gehirn nicht zwischen guten und schlechten Routinen unterscheiden kann. Wenn du also Routinen im Unterbewusstsein laufen hast, die dich aus dem Fokus und aus deiner Konzentration bringen, bekommst du es nicht mit und dein Gehirn schlägt keinen Alarm.

Ohne dass du es registrierst, wird deine Wahrnehmung eingeschränkt. Durch Routinen wirst du automatisch starr und unflexibel im Verhalten.

Fazit:

  • Gewohnheiten können Fluch und Segen sein. Achte auf deine Routinen! Welche sind nicht hilfreich?
  • Dein Gehirn liebt Gewohnheiten, um Energie zu sparen.
  • Dein Gehirn kann nicht zwischen guten und schlechten Routinen unterscheiden.
  • Durch schlechte Gewohnheiten kannst du deinen Fokus verlieren.
  • Durch gute Gewohnheiten kannst du dir eine erhöhte Konzentration und einen scharfen Fokus aneignen.

 

In den nächsten Wochen werden wir dir einige Routinen zeigen, die dich weiterbringen werden. Dein Fokus und deine Konzentration werden es dir danken.

Written by StefTom