Entscheidungen treffen ist schwierig

Entscheidungen- warum ist es so schwer, sie zu treffen? Heute geben wir dir Antworten auf deine Frage.

“An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Hinweisschilder.” (Charlie Chaplin) Aber irgendwie musst du da ja durch, oder?

Warum ist es so schwer, sich zu entscheiden? Wie kannst du es schaffen, Entscheidungen zu treffen?

Jeden Tag triffst du unzählige Entscheidungen. Du fragst dich: Nehme ich heute einen Schirm mit, oder nicht? Esse ich in der Kantine oder nehme ich Brot mit? Gehe ich zum Sport oder fahre ich ins Kino? Diese Entscheidungen fallen vielleicht nicht so schwer, aber es gibt auch Entscheidungen von mehr Tragweite. Suche ich das Gespräch mit dem Chef um einen besseren Posten, oder warte ich? Sage ich meinem Partner, dass es so nicht weitergeht, oder warte ich? Will ich umziehen oder bleibe ich am alten Ort?

Im heutigen Artikel erklären wir dir, warum das Treffen von Entscheidungen so schwierig ist und wie du es schaffst, eine Entscheidung zu treffen.

Wenn du dir das Wort Entscheidung genau anschaust, wirst du feststellen: In diesem Wort steckt das Wort “Scheidung.” Wenn du also eine Entscheidung fällst, musst du dich im Gegenzug auch gleich von allen anderen Möglichkeiten und Wegen trennen. Du verwehrst dir selbst den Zugang zum anderen Weg. Du musst alte, liebgewonnene Dinge wieder hergeben, vielleicht von Gefühlen und Emotionen verabschieden. Deshalb verharren viele Menschen bis zur Selbstaufgabe in alten Mustern.

Der Ritter im Mittelalter zog das Schwert aus der Scheide. Er hatte eine Entscheidung getroffen. Kampf! Point of no return. Der Rubikon war überschritten. Dieses Vorgehen fällt uns so schwer, warum ist das so?

Bevor ich dir aber erkläre, woran es liegt, dass das Treffen von Entscheidungen so schwierig ist, eins vorweg: Auch wenn du keine Entscheidung gefällt hast, hast du eine Entscheidung getroffen. Ganz einfach: Du hast dich dafür entschieden, an dem alten Weg/ Dingen festzuhalten.

Entscheidung

Entscheidungen treffen ist schwierig

1. Entscheidungen: Die Angst vor Veränderung

Bei schwerwiegenden oder wichtigen Entscheidungen besteht in uns immer die Angst vor und zur Veränderung. Die Angst, dass viele Dinge neu für dich werden, dass sie fremd und ungewohnt werden.

Ist es ein Wohnungsortwechsel? Freundeskreis aufgeben, ein anderer Tagesrhythmus, andere Wege, andere Charaktere kennenlernen?

Sei dir bewusst, dass die größte Veränderung in dir selbst stattfindet. Veränderung bedeutet immer Energieaufwand. Verlassen des Gewohnten und der liebgewonnenen Komfortzone ist anstrengend. Hinaus ins Unbekannte. Wir Menschen mögen aber nichts Riskantes, nichts Ungewohntes, weil es vielleicht Risiken birgt. Wir haben alle bestimmte Urängste:

  • Die Angst vorm Scheitern. Seit tausenden von Jahren ist diese Angst in uns. Früher ging es um das nackte Überleben. Eine Fehleinschätzung einer Gefahr konnte Lebensgefahr bedeuten. War das Rascheln im Gebüsch eine Maus oder ein gefährliches Raubtier? Eine lasche Entscheidung und dein Leben hing am seidenen Faden.
  • Die Angst vor Zurückweisung. Vor tausenden von Jahren war die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Stamm oder Sippe überlebenswichtig. Ohne sie war der Mensch allein in der harten Welt und verloren. Dieses Verhalten haben die meisten Menschen noch in sich, nämlich von jedem gemocht werden und nicht auffallen.
  • Die Angst vor Überanstrengung. Den früheren Menschen war es nicht so einfach, sich mit ausreichend Nahrungsmitteln einzudecken. Jäger und Sammler. Da war jedes bisschen Energie, das verschwendet wurde, zu viel. Das Motto hieß: Energie sparen. Nach diesem Prinzip leben wir heute noch. Deshalb hast du so viele Gewohnheiten (ob gute oder schlechte). Gewohnheiten sparen Energie und stellen den härtesten Klebstoff der Welt dar. Der große Nachteil aber ist, dass dein Gehirn nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten unterscheiden kann.

Diese Ängste leben seit Menschengedenken in dir. Für genauere Infos lies unseren Artikel zur Komfortzone. Denn außerhalb der Komfortzone warten Risiken, Ungewisses und auch Unbequemes, aber auch dein eigenes Wachstum, Zufriedenheit und große Lerneffekte.

2. Entscheidungen: Einfach später treffen.

Gehörst du zu den Personen, die keine Entscheidung fällen können? Sei dir zum einen bewusst, dass das gar nicht funktioniert. Denn wenn du dich nicht entscheidest, dann hast du dich entschieden. Du hast dich dann dafür entschieden, dass alles so bleibt, wie du es gerade vorfindest. Richtig?

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Umstand kommt hinzu. Wenn du wartest und wartest und und….,dann kommen oft andere und entscheiden für dich. Das geschieht dann nicht unbedingt zu deinem Wohl, oder? Du fühlst dich aber machtlos und das Gefühl des Opfers kommt in dir hoch. Aber das ist ein Gefühl, das dann gerne genommen wird. Es ist dann eine willkommene Ausrede: Ich wollte ja, aber es wurde ja anders entschieden. Kennst du das?

Hinzu kommt, dass die Personen, die sich nicht entscheiden können, oft an sich selbst zweifeln und das Selbstvertrauen leidet. Ein Mensch mit wenig Selbstvertrauen neigt dazu, sich selbst vor Neuem, Unbekanntem zu schützen. Sie sind der Überzeugung, dass sie das nicht schaffen würden. Sie lassen es und entscheiden sich nicht. Das Selbstvertrauen geht noch weiter in den Keller. Lieber an dem festhalten, was doof ist, als ein kleines Wagnis oder eine Veränderung einzugehen. Sie handeln nach dem Motto: “Lieber den Satz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.”

3. Entscheidungen: Angst vor falscher Entscheidung.

Viele Menschen, die keine Entscheidungen treffen, haben Angst vor falschen Entscheidungen. Sie handeln nach dem Motto: Bevor ich mich vielleicht falsch entscheide, mache ich lieber nichts.

Aber mache dir klar: Wenn du dich für eine Sache entschieden hast, dann hast du dich gegen die andere entschieden. Du wirst nie in Erfahrung bringen, wie dein Weg ausgesehen hätte, wenn du den anderen Weg gegangen wärst. Ich möchte dir ein Beispiel aus dem Buch “Gesetze der Gewinner” von Bodo Schäfer geben:

Du hast die Möglichkeit, in die Berge oder an die See zu fahren, um dort deinen Urlaub zu verbringen. Du wählst die Berge und dein kompletter Urlaub ist verregnet. Du sagst zu dir selbst, dass du dich falsch entschieden hast. Nein! Denn du weißt nicht, ob du vielleicht am Meer in einem Restaurant eine Lebensmittelvergiftung hättest erleiden können. Verstehst du, worauf ich hinaus will? Du wirst es nie genau wissen.

Ich denke, dass du dir am Ende klar sein musst, dass jede Entscheidung immer noch besser ist, als gar keine zu treffen.

4. Entscheidungen: Bedeutung wird überbewertet.

Ein weiterer, schwerwiegender Grund, warum du dich nicht entscheiden kannst, ist die Tatsache, dass du die Bedeutung der Entscheidung völlig überbewertest. Oft ist es so, dass wir Menschen so tun, als ob es um Leben und Tod ginge. Das ist, zum Glück, eher weniger oft der Fall, oder? Schaue auf die Realität. Worum geht es wirklich, wenn ich mich für x oder y entscheide.

Oft sind wir Menschen Weltmeister darin, uns Szenarien auszumalen, die völlig haltlos und übertrieben sind. Mark Twain sagte so schön:

“Ich habe in meinem Leben schon unzählige Katastrophen durchlebt – die wenigsten davon sind eingetreten.”

Wie viele dieser Szenarien hast du dir schon ausgemalt? Wenn ich mich so entscheide, dann könnte ich arbeitslos werden, dann würde ich meine Familie nicht mehr ernähren können. Als Folge würde sich meine Frau von mir trennen und spinne mal weiter in deinen Gedanken.

Nein, bleib realistisch.

5. Entscheidungen: Vielleicht gibt es ja noch etwas Besseres

Du lebst in einer Zeit und in einer Gesellschaft, in der du noch nie so viele Chancen, Möglichkeiten und Optionen hattest. Wenn du den Supermarkt betrittst, wirst du sprichwörtlich vom Angebot erschlagen. Wähle und entscheide dich zwischen dieser und jener Apfelsorte, tausende verschiedene Geschmäcker beim Joghurt, die Liste ist in allen Bereichen unendlich.

Das entstehende Problem: Du magst dich nicht entscheiden, denn es könnte ja etwas Besseres, Billigeres, Wertvolleres hinter der nächsten Kurve auf dich warten.

Dadurch, dass wir ständig auf etwas noch Besseres hoffen, werden wir vor allem eins: unglücklich. Denn so können wir niemals zufrieden unsere gegenwärtige Situation genießen.

Schenkst du Barry Schwartz und seinem Buch “Anleitung zur Unzufriedenheit” Gehör, dann bedeutet eine größere Auswahl ab einem bestimmten Punkt nicht mehr Freiheit, sondern mehr Stress. Statt dich zu befreien, so schreibt er, lähme sie dich. Es gibt Experimente, die zeigen: Je größer die Auswahlmöglichkeiten sind, aus der du ein Eis, Kekse oder ein Glas Tomatensoße auswählen kannst, desto schwerer fällt dir das. Es erzeugt Stress und Unzufriedenheit.

Wenn du also ewig nachdenkst, dir möglichst alle Möglichkeiten offenhalten willst, um dich nicht zu schnell festzulegen, schadest du dir selbst: Du scheust dich vor der Verantwortung für das eigene Leben, und tust so, als hättest du triftige gute Gründe. Nein, im Gegenteil: Keine Entscheidung ist so schlecht wie keine Entscheidung.

Klar scheint für mich: Es gibt meistens noch etwas Besseres, Größeres, Billigeres! Aber statt dich mal festzulegen, wartest du und wartest. Du magst dich nicht entscheiden.

Fazit:

  • Es gibt viele Gründe dafür, dass das Treffen von Entscheidungen so schwierig erscheint.
  • Hab keine Angst vor Veränderungen oder falschen Entscheidungen.
  • Miss einer Entscheidung nicht zu viel Bedeutung zu. Bleib realistisch.
  • Wenn du keine Entscheidung triffst, dann hast du auch eine getroffen. Schlimmer wäre es, wenn dann sogar andere Personen für dich entscheiden.
  • Je mehr Entscheidungsmöglichkeiten du hast, desto unzufriedener wirst du.

 

Quellen:

https://www.zeit.de/campus/2014/05/entscheidungen-treffen-stress-zufriedenheit

https://www.zeit.de/campus/2014/05/entscheidungen-treffen-stress-zufriedenheit/seite-3

Barry Schwartz: Anleitung zur Unzufriedenheit.

Written by StefTom