Konzentration und Digitalisierung ergänzen sich nicht

Konzentration und Digitalisierung stellen keine gute Kombination dar. Wir erklären es dir.

Mails, Whats-App Nachrichten, Anrufe und der elektronische Terminkalender sind einige der digitalen Störgrößen. Sie sorgen dafür, dass deine Konzentration auf einem niedrigen Level ist.

Ob wir arbeiten und uns auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren müssten, abends im Bett unser Buch lesen oder uns beim Essen mit unserem Date unterhalten möchten, überall wird unser Fokus im Alltag durch die Digitalisierung vernichtet.

Hier ein paar aktuelle Zahlen zum Handygebrauch:

  • 65 Mal am Tag nehmen wir unser Smartphone in die Hand.
  • In Summe beschäftigen wir uns durchschnittlich dreieinhalb Stunden täglich mit dem Handy.

Logisch ist, dass du durch solch ein Verhalten langfristig keinen effizienten und erfolgreichen Fokus erzeugen kannst. Wir sind ständig abgelenkt sowie unkonzentriert.

Ziel eines jeden Menschen, der anspruchsvolle und komplexe Aufgaben und Situationen erfolgreich meistern bzw. genießen möchte, müssen stattdessen wesentlich längere Zeiträume ohne jegliche Störung sein.

Denn nur dann, wenn wir uns an unser mentales Limit bringen und über unsere individuellen Leistungsgrenzen hinaus gehen, werden wir überdurchschnittliche Erfolge erzielen.

An unser mentales Limit kommen wir jedoch nicht in ein paar Minuten. Um unser komplettes mentales Potential auszuschöpfen benötigen wir viel mehr Stunden ununterbrochenen Aufmerksamkeit auf einzelne, klar abgegrenzte Sachverhalte.

Wenn wir unsere Fähigkeit, der Konzentration und mentalen Verausgabung, nicht regelmäßig intensiv trainieren, verkommt sie genauso, wie dies ein nicht trainierter Muskel tut.

Konzentration: Bitte kein Multitasking – es ist ein Mythos!

Gerade das sog. „Multitasking“ spielt in unserer Zeit eine massive Bedeutung. Denn durch die fortschreitende Digitalisierung werden wir automatisch dazu verleitet, immer mehr Dinge gleichzeitig zu tun.

Dabei ist Multitasking an sich ein absoluter Mythos! Wir Menschen sind laut diverser wissenschaftlicher Forschungsergebnisse gar nicht in der Lage Multitasking zu praktizieren.

Multitasking ist zudem etwas, was unseren natürlichen Fähigkeiten widerspricht und zudem sogar sukzessive unserer Leistungsfähigkeit mindert. So bekommt eine Person, die ständig parallel mehrere Medien bedient, nachgewiesener Weise, ein schlechteres Arbeitsgedächtnis.

Jonathan Spira, der Geschäftsführer der amerikanischen Beratungsfirma Basex, hat die Arbeitsgewohnheiten amerikanischer Manager untersucht. Ergebnis seiner Untersuchung ist, dass deren stetiges Bemühen im Beruf via Multitasking konzentrierter, effizienter und erfolgreicher zu sein, genau das Gegenteil bewirkt. Der amerikanischen Wirtschaft kostet Multitasking rund 588 Milliarden $ jährlich!

Multitasking ist etwas, was wir gar nicht erst versuchen sollten zu lernen. Denn dieser Versuch ist von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Wir Menschen sind und werden nie fürs Multitasking geschaffen sein.

Konzentration: Spannung und Entspannung

Auch ein Usain Bolt kann keine maximale Sprint-Bestleistungen mehr erbringen, wenn er bereits einen großen Teil des Tages Höchstleistungen unter größter Anspannung seiner Muskeln und Psyche erbracht hat.

Genau deswegen weiß jeder erfolgreiche Sportler um die Wichtigkeit von Verausgabung und Regeneration!

Konzentration, auch Spannung- Entspannung wichtig

Konzentration, auch Spannung und Entspannung wichtig

Einen Fokus und maximale Bestleistungen über absurd lange Zeiträume hoch zu halten, ist schlichtweg nicht möglich.

Auf dem Blog, www.psychophilie.com, beschreibt die Autorin und Psychologin Judith diese Konditionierung auf Spannung klasse.

Judith vergleicht das Erhalten von Nachrichten mit der Methode, wie Pawlow seinen Hund konditioniert hat. Jedes Mal, wenn wir eine Nachricht erhalten steigt unsere Neugierde und gleichzeitig die Erwartung zusammen mit meist positiven Gefühlen etwas Neues, schönes, interessantes zu sehen. Die Spannung auf etwas Unverhofftes ist bei uns durch diverse soziale Medien und Geräte stetig präsent. Da wir aus inhaltlicher Sicht jedoch auch oftmals von den Nachrichten enttäuscht werden und nicht jede Nachricht toller und schöner ist, als die vorhergehende, entsteht mit der Zeit nicht nur positive, sondern auch viel negative Spannung.

Konzentration: Negative Aspekte mangelnder Konzentration

Zudem kostet jeder dieser Blicke auf die neue Nachricht einen großen Teil unserer Konzentration. Studien haben herausgefunden, dass ein durchschnittlicher Mensch ganze 15 Minuten der völligen Ruhe und ungestörten Konzentration benötigt, um sich nach einer Ablenkung, wie einem Handyklingeln, wieder zu 100% auf die eigentlich relevante Aufgabe vor ihm zu fokussieren.

Eine niedrige Konzentrationsfähigkeit geht laut diverser wissenschaftlicher Studien mit einem deutlich niedrigen Level an persönlicher Zufriedenheit und Glücklichkeit einher.

Insbesondere für Berufstätige und Menschen, die in ihrem Alltag psychologisch und physisch sehr gefordert werden, ist der Zusammenhang zwischen Spannung und Entspannung extrem wichtig.

Statt sich nach der Arbeit oder im Urlaub strikt von beruflichen Thematiken und den damit zusammenhängenden Medien zu trennen, hängen viel konstant an ihrem Handy oder Laptop. Durch diese konstante Alarmbereitschaft kann es nie zu den so wichtigen tiefen Entspannungs- und Regenerationszeiten kommen. Man lebt im Dauerstress.

Durch solch einen Lebensstil schwindet die eigene Konzentrationsfähigkeit konstant und rapide. Und mit ihm oftmals auch der eigene Erfolg ab. Sei es im Beruf, in der Partnerschaft oder beim Sport. Das eben dieses Verhalten einer der hauptverantwortlichen Faktoren für Krankheitsbilder wie Depressionen und Burn-Out ist, ist ebenfalls seit Jahren unumstritten bewiesen.

Gemäß einer Studie der ibi Research GmbH, in deren Rahmen 900 Experten der Online-Branche bzgl. ihres digitalen Medien-Konsums befragt wurden, empfanden 82% der Befragten die permanente Erreichbarkeit als starken Druck. Das Fazit dieser Studie ist, dass sich die Digitalisierung direkt negativ auf die Gesundheit und das Privatleben auswirkt sowie mit einer signifikant reduzierten Konzentrationsfähigkeit auf wesentliche Dinge einhergeht.

Von Goldfischen dominiert?

Laut einer Studie aus dem Jahr 2015, die von Microsoft initiiert wurde, fällt uns Menschen die dauerhafte Konzentration auf ein singuläres Geschehnis zunehmend schwerer. Die Untersuchung 2.000 kanadischer Probanden ergab, dass sich deren Konzentrationsspanne von 2000 bis 2013 von 12 auf acht Sekunden verschlechtert hat. Goldfische sollen immerhin eine Konzentrationsspanne von neun Sekunden haben.

(Interessant wäre hier eine Fortsetzung der Microsoft-Studie. Geht man von einem linearen Trend aus, müsste sich unsere Konzentrationsspanne 2019 um ca. zwei weitere Sekunden verschlechtert haben. Bedeutet: sechs Sekunden).

Kinder als besondere Leidtragende

Die Blikk-Studie aus dem Jahr 2015 bestätigte, dass insbesondere Kinder von der Nutzung neuer Technologien negativ betroffen sind. Die Konzentrationsfähigkeit der heutigen Kinder ist im Vergleich zu früheren Generationen deutlich schwächer.

Relevantes vs. Irrelevantes

Erfolg ist in vielen Lebensbereichen durch eine elementare Eigenschaft zu erklären: Die Fähigkeit, sich auf die relevanten Dinge zu konzentrieren und die irrelevanten Dinge aus seinem Fokus auszugrenzen.

Doch genau diese wichtige Eigenschaft ist durch die stetige Reizüberflutung sowie die konstante Erreichbarkeit stark gefährdet.

Der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther fand durch seine Forschungen heraus, dass sich unser Gehirn durch diese Dauerbelastung zunehmend Richtung sprunghafter Aufmerksamkeit anpasst. Das Gehirn verlagert seinen persönlichen Fokus von einem starken, langfristigen Fokus auf eine wichtige und relevante Sache, hin zu einem schwachen, kurzfristigen „Fokus“ der deutlich weniger produktiv sowie effizient ist.

Ein Artikel der Zeit, bringt diese Problematik sehr gut auf den Punkt: “Smartphones sind der größte Freilandversuch, der je mit Menschen durchgeführt wurde. Wir können förmlich dabei zusehen, wie sie uns abhängig machen, mit Trivialitäten vom Wesentlichen ablenken und unsere Konzentrationsfähigkeit fundamental beschädigen.“

Fazit

Unsere Fähigkeit uns auf die relevanten und erfolgsbringenden Faktoren sowie Geschehnisse im Leben zu konzentrieren, wird durch die Digitalisierung erschwert.

Eine komplette Abstinenz von digitalen Produkten wird für die meisten Menschen jedoch a.) nicht möglich und b.) möglicherweise auch nicht praktikabel sein. Dadurch grenzt  man sich ein Stück weit aktiv aus bestimmten sozialen Umfeldern aus.

Stattdessen ist die Lösung wohl eher, wie in vielen anderen Lebensbereichen: die Dosis machts!

Viele Forscher empfehlen ein ausgewogenes Verhältnis in Bezug auf den eigenen medialen Konsum.

Ich achte beispielsweise bewusst und aktiv auf längere Zeiträume, in denen ich frei von medialen Verpflichtungen, Versuchungen und Kontakten bin. Ich versuche eisern bestimmt Uhrzeiten und Zeiträume einzuhalten, in denen digitale Medien in meinem Leben keine Rolle spielen dürfen.

Persönlich macht mich dieser Lebensstil deutlich produktiver, fokussierter und glücklicher. Ich habe das Gefühl, eine größere Kontrolle und Disziplin über mein Leben zu haben.

Zudem genieße ich durch diese aktiven medialen Pausen mein Leben wesentlich intensiver und bin ebenfalls fokussierter auf das Jetzt.

Quellen:

Written by StefTom